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Ringelung von Eschen-Ahorn am Pulverweidenwehr Foto: Stef Binde

Eschen-Ahorn-Ringelung in Halle/Saale

Pro Weichholzaue - kontra Eschen-Ahorn

In Halle finden seit Oktober 2014 Maßnahmen zur Zurückdrängung des Eschen-Ahorns statt.

Wenn ein Eschen-Ahorn gefällt wird, bildet er eine große Zahl von Stockausschlägen, die bereits im zweiten Jahr wieder fruchten können. Daher ist es sinnvoller, den Baum durch Ringelung langsam zum Absterben zu bringen.

Bei derRingelung wird zuerst der zu ringelnde Bereich durch einen Sägeschnitt begrenzt.

Dann werden die Rinde und der Bast mit einem Ziehmesser oder einem Beitel entfernt.

ÜberwallungAn der Ringelstelle bilden sich in den ersten Jahren nach der Ringelung oft neue Triebe. Auch kann sich eine neue Rinde bilden (siehe Pfeil). Beides muss regelmäßig entfernt werden.

Der Eschen-Ahorn (Acer negundo) ist eine amerikanische Ahorn-Art. Er wird seit dem 17. Jh. In Deutschland kultiviert. In der DDR wurde er aufgrund seiner leichten Vermehrbarkeit häufig an Straßen, in Grünanlagen und Hecken gepflanzt. Von dort breitet er sich seit den 90er Jahren verstärkt in naturnahe Lebensräume aus. In Halle ist der Eschen-Ahorn in der Saaleaue im Bereich der früheren Weichholzaue sehr häufig. Dort wuchsen früher besonders Silber-Weiden und Schwarz-Pappeln.

In solchen naturnahen Auen kann der Eschen-Ahorn zur Gefährdung von Arten beitragen, da seine Dominanzbestände artenarm sind. Er verhindert zudem durch seinen dichten Wuchs die Verjüngung heimischer Arten.  Aufgrund dieser Auswirkungen steht der Eschen-Ahorn auf der Schwarzen Liste des Bundesamtes für Naturschutz und der Schwarzen Liste Sachsen-Anhalt.

Viele Insekten sind an eine bestimmte Pflanzenart angepasst, von der sie sich ernähren (Monophagie). Eine solche Anpassung ist im Laufe mehrerer Jahrtausende entstanden und kann nicht kurzfristig geändert werden. Die an die ursprünglichen Gehölzarten der Weichholzaue angepassten Insekten können nur zu einem kleinen Teil auf den Eschen-Ahorn wechseln. Für die meisten Arten  stellen Eschen-Ahorne daher keinen Lebensraum dar.  So sind z. B. Weiden Lebensraum von ca. 1000 Insektenarten, von denen viele Arten monophag sind (LWF 2000). Bei einem Vergleich der Insektenarten auf dem heimischen Feld-Ahorn und dem Eschen-Ahorn wurde festgestellt, dass auf dem Feld-Ahorn sechs mal mehr spezialisierte Insektenarten gefunden wurden (KREBS 2012). Daher führt die Ausbreitung des Eschen-Ahorns nicht nur zu einer Verdrängung von heimischen Pflanzenarten sondern auch zu einer extremen Verarmung der Insektenfauna. Daraus resultierend verarmen die Nahrungsnetze und Ökosystemfunktionen der Weichholzaue.

Aufgabe der Naturschutzbehörden ist die Erhaltung und Förderung der heimischen Biodiversität. Um diese Arten- und Ökosystemvielfalt zu schützen ist eine Zurückdrängung des  Eschen-Ahorns notwendig. Die Stadt Halle stellt sich dieser Aufgabe, in dem sie in den FFH-Gebieten der Saaleaue eine Ringelung der Eschen-Ahorne durchführen lässt.

Interview zur Ringelung des Eschen-Ahorns in Halle (Saale), produziert und gesendet am 10.5.2016 von Radio Corax

 


Korina | Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten
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